Candyflossophy: Café de Flore

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Candyflossophy: Café de Flore – Manisches, Magisches und eine Madonna-Erscheinung! Von @candyfloss

Das Jahr franst langsam aus wie das hüftlange Haar eines Mädchens, das zu viel Janis Joplin hört. Und sollte bis Silvester kein cineastisches Wunder geschehen, kann ich mit Fug und Recht behaupten: «Café de Flore» war der beste Film, den ich dieses Jahr per Home-Entertainment gesehen habe. Und wenn ihr so gestrickt seid wie ich, dann findet ihr über Filmhandlungen lesen etwa so spannend, wie einem dreistündigen Vortrag über Papua-Neuguinea zu lauschen. Von genanntem Janis-Joplin-Mädchen. Sie war nämlich da. Und hat ganz viele Fotos mitgebracht. Trotzdem komm ich nicht umhin, euch kurz zu schildern, worum es in dem Film geht. Also, fasten your seatbelts:

Wir werden hineingeworfen in zwei parallel verlaufende Geschichten, getrennt durch Raum und Zeit. Anfangs fragt man sich aus natürlichem, menschlichem Instinkt noch, wie die beiden Handlungsstränge verbunden sind, doch schon nach zehn Minuten ist man von beiden – gleichermassen! – so gefesselt, dass das überhaupt keine Rolle mehr spielt. Im frankokanadischen Gegenwarts-Plot sehen wir den DJ und Familienvater Antoine (äh … was ihn erschreckenderweise zu einem «DJ Antoine» macht. Zum Glück hat er mit diesem Charmebolzen nicht viel gemeinsam). Frisch von seiner Frau und Jugendliebe Carole getrennt, beginnt er eine Beziehung mit der jüngeren, blonderen, unbeschwerteren Rose. Doch Carole kann sich nicht von Antoine lösen und verstrickt sich immer mehr in manischen, obsessiven Fantasien. Ebenfalls sehr manisch und obsessiv geht es bei der Liebe zwischen Mutter und Sohn in den 60ern in Paris zu. Jacqueline (gespielt von Vanessa Paradis) ist alleinerziehende Mutter von Laurent, einem Kind mit Down-Syndrom. Als sich Laurent in ein Mädchen verliebt, sieht Jacqueline ihre ohnehin-schon-ans-Krankhafte-grenzende Verbindung zu ihrem Sohn in Gefahr und mutiert zur obsessiv-possessiven Übermutter.

Puh, geschafft! Soweit also zu den «hard facts» des Films. Doch er ist noch viel mehr als die Summe seiner Teile. Café de Flore atmet, ja, lebt von seinen Bildern, von Stimmungen, die nicht zuletzt vom Soundtrack brillant untermalt werden: sphärisch-melancholisch-magisches von u.a. Sigur Rós, The Cure und Sophie Hunger. Und – natürlich! – hängen die beiden Parallel-Geschichten letzten Endes zusammen. Wie wird selbstverständlich nicht verraten, aber so viel sei gesagt: Man hat im Nachhinein das eine oder andere Aha-Erlebnis, denn selbst bis zur allerletzten Kameraeinstellung werden Adventskalender-artig kleine Fensterchen in eben diese Zusammenhänge geöffnet. Und mag die Auflösung noch so esoterisch-mystisch daherkommen – das Janis-Joplin-Mädchen würd Bäume umarmen wie ein papua-neuguineisches Matschie-Baumkänguru – so gibt’s auch eine durchaus plausible Erklärung für die Freunde der Wissenschaften.

Ahhh, und wo bleibt die Madonna-Erscheinung? Genau. Kleines Fashion-Nugget am Rande: Ein besonderes Lob geht an die Kostümabteilung (sagt man dem auch so, wenn’s keine Jane-Austen-Verfilmung ist?). Das gesamte Styling der «Rose», der neuen Partnerin von «DJ Antoine», erinnert doch auffällig an Madonna in ihrer «Like a Virgin»-Ära: Blondes «messy hair», tiefe Rückenausschnitte, weisse Spitze und immer wieder Kruzifixe! Sehr geschickt gewählt, soll sie doch das Neue, Frische, Unbefleckte darstellen (das es dann doch faustdick hinter den kruzifixbehängten Ohren hat!).

Also, Räucherstäbchen anzünden und «Play» drücken! Oder von mir aus Urschrei-Therapie ausprobieren. Hauptsache, ihr schaut den Film!

Yours truly,
@Candyfloss

Die Café-de-Flore-DVD ist auf Deutsch «angekündigt», in der französischen Originalfassung oder mit englischen Untertiteln z.B. bei www.amazon.de zu finden

Alle Candyphlossophy-Beiträge gibt’s unter www.blaaablaaa.com/tag/candyflossophy

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Comments

  1. muniweh

    16. December 2013

    Lach! Das schreit nach einem Mädels-DVD-Abend (alle gestylt als Madonna bitte) :-)

    • Candyfloss

      16. December 2013

      @muniweh :-) Ouh ja, eine Madonna-Fancy-Dress-Party! Und wenn wir uns alle verschiedene Epochen aussuchen, sehen wir trotzdem ganz unterschiedlich aus! Die frühen 80er würd ich dann übernehmen ;-)

  2. missmuriel

    16. December 2013

    Wow, sieht der schön aus! Muss ich unbedingt sehen, danke für den Tipp und den tollen Bericht.

  3. evamarroni

    16. December 2013

    @candyfloss uiiiiiiiiiiii mir stellt es schon beim trailer die armhärli auf.. sooooooo schön!!!!! die zitate.. die bilder.. die musik und vanessa paradis! ich lieeeeeeeeebe vanessa paradis!!! freue mich jetzt schon auf einen wunderbaren filmabend über die festtage und ich ahne schon.. ich werde heulen wie ein schlosshund.. solche filme nehmen mich immer emotional sooooo mit.. dann muss ich gaaaaanz viel schoggi essen und schneuzen ;-) thaaanks für die empfehlung!!!!

  4. evamarroni

    16. December 2013

    @candyfloss ahhh und dass der DJ ausgerechnet antoine heisst :-D musste so lachen bei “äh … was ihn erschreckenderweise zu einem «DJ Antoine» macht”.. wenn der regisseur wüsste wie vorbelastet der name bei uns ist.. ahhhh er ist sooooooo schlimm!!!!

    • Candyfloss

      16. December 2013

      @evamarroni :-) :-) You’re very welcome! Jaaa, das ist genau so ein Film, der einem alle Härchen aufstellt!!! Und genau so hatte ich’s gemeint – als Tipp für über die Festtage (um den üblichen Schinken auszuweichen, die alljährlich in der Glotze laufen ;-) ) Auf jeden Fall Taschentücher bereitstellen! Der Film hat bei mir noch so lange nachgehallt, das hab ich schon lange nicht mehr erlebt.
      :-D DJ Antoine ist wirklich der absolute Anti-Typ!!!!!

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